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Der Sattler SeppJosef Sattler –
der berüchtigste Wilderer unserer niederbayerischen Heimat

Josef/Joseph Sattler wurde am 26. Mai 1830 als uneheliches Kind der Bauerstochter Korona Allerdinger in Niedernhart, Gemeinde Tiefenbach, geboren. Schon wenige Wochen später heiratete die Mutter den Vater ihres Kindes, der ebenfalls Josef hieß, und zog zu ihm nach Höbersdorf in der Gemeinde Otterskirchen, wo er bereits den elterlichen Hof führte. Er war leidenschaftlicher Jäger und nahm später den heranwachsenden künftigen Hoferben schon früh mit auf die Jagd. Vielleicht waren die Eltern zu nachsichtigen mit dem einzigen Sohn, denn bald schon bereitete er ihnen immer größer werdende Probleme, zunächst mit drei unehelichen Kindern und dann mit Wirtshausraufereien. 1856 stach er bei einer solchen seinen Kontrahenten nieder, so dass dieser an den Stichverletzungen starb. 2 Jahre Arbeitshaus war die Strafe, die 1857 das Bezirksgericht Passau verhängte.

1859 schoss der „Sattler Sepp“, wie er allgemein genannt wurde, im Neuburger Wald, in der Nähe Passaus, auf den Gendarmen Johann Attenberger, als dieser ihn am 3. Juli 1859, um 3 Uhr morgens, beim Wildern stellte.Am 24. März 1860 wurde er daher wegen Widersetzung, Jagdfrevels und Körperverletzung II. Grades zu 8 Jahren Arbeitshaus verurteilt. Die Strafe verbüßte er in Rebdorf bei Eichstätt. Am 8. Juli 1861 gelang es ihm zu fliehen, doch die Freiheit währte nicht sehr lange: Am 12. Oktober wurde er festgenommen und wieder eingeliefert.

1867 verkaufte der Vater den Hof in Höbersdorf, wegen der Prozess- und Anwaltskosten, vielleicht auch wegen der Schande, die der Sohn über seine Eltern gebracht hatte. Die Familie zog nach Deichselberg, einem abseits gelegenen Ort zwischen Otterskirchen und dem Donautal.

Nach der Entlassung aus dem Arbeitshaus hatte daher der Sohn keine Heimat mehr, der Hof in Höbersdorf war verkauft. Ohne festen Wohnsitz wilderte er nun zwischen Vilshofen und Passau – wurde dabei auch immer wieder festgenommen und verurteilt: Am 1. März 1871 zu 4 Monaten Gefängnis und am 16. April 1874 wegen fortgesetzter unberechtigter gewerbsmäßiger Jagdausübung zu 3 Jahren Gefängnis. Nach den Strafverbüßungen setzte er das Wildern fort, doch auch Diebstahl und andere Strafdelikte kamen hinzu. So wurde er am 4. Mai 1877 wegen Diebstahls zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. Schon nach wenigen Tagen, am 20. Mai, gelang es ihm, aus dem Bezirksgerichtsgefängnis in Passau zu fliehen.

Allen Versuchen, ihn festzunehmen, widersetzte er sich nun mit äußerster Entschlossenheit und Brutalität: Am 13. Juni 1877 schoss er die Gendarmen Weber und Krausin der Nähe von Otterskirchen nieder und am 22. Oktober ermordete er bestialisch den Gendarmen Michael Meisinger in Haidreuth, Gemeinde Tiefenbach, durch mehrere Messerstiche.

Um den Flüchtigen endlich zu stellen wurden die bestehenden Gendarmerie-dienststellen im nördlichen Landkreis Passau zwischen Vilshofen und Passau mit Soldaten verstärkt, neue Dienststellen wurden eingerichtet und selbst Bürger und Bauern wurden zum „Sattlerfangen“ herangezogen. Aber die große Unterstützung des Wilderers in der Bevölkerung und seine guten Kenntnisse der Gegend ließen alle Versuche scheitern.

Schließlich, am 1. April 1878, wurde er in einer großangelgten Aktion und mit Unterstützung von Soldaten des 9. Jägerbataillons aus Passau im Stadel des Bauern Rauscher in Brauchsdorf, Gemeinde Tiefenbach, gestellt und dabei erschossen. Der Aufenthalt Sattlers in dem Stadel wurdevon einem guten Bekannten des Wilderers der Gendarmerie verraten – die ausgesetzte Belohnung, 300 Mark (ca. 4800 €), hatte wohl den Ausschlag dafür gegeben. Zuvor hatteSattler bei einem der vielen Schusswechsel den Gendarmen Sebastian Schütz angeschossen und dabei so schwer verletzt, dass dieser noch am selben Tag starb.

Beide, Schütz und Sattler wurden am 4. April 1878 beerdigt: Der eine unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, vieler Vereine und Kameraden in Otterskirchen – der andere frühmorgens an der Friedhofsmauer in Passau-Heining, wohin Brauchsdorf damals pfarreimäßig gehörte. Eine kirchliche Beerdigung hatte das Ordinariat in Passau nicht gestattet.

Bild rechts: Der Sattler Sepp

Schwarzes Gold „Graphit" – ein vergessenes Stück Bergwerksgeschichte aus Hirzing

Ein sehr begehrtes Mineral ist Graphit. Unweit der Ortschaft Hirzing im Bereich der Gemeinde Tiefenbach fand über Jahrzehnte der Abbau des wertvollen Minerals statt. Erste Hinweise auf den Graphitbergbau finden sich von 1865/1870 – 1885. Die Suche nach dem, nicht zuletzt kriegswichtigen Rohstoff, ließ den erloschenen Bergbaubetrieb in Hirzing in späterer Zeit wieder kurzzeitig aufleben. Von 1918 – 1920 waren nachweislich zwei Schichten Bergleute in der Graphitlagerstätte „Drei Einigkeitszeche" beschäftigt. Wirtschaftliche Gründe führten zur Schließung der Zeche. Die dritte Abbauperiode umfasst die Zeit von 1936 – 1939, als die Fa. Oswald und Compagnie hier Graphit bergmännisch fördern ließ. Im Februar 1939 wurde der Zechenbetrieb eingestellt, wofür die ungenügende Qualität des gewonnenen Materials sowie Transportprobleme mit ausschlaggebend waren.

Schwarzes Gold Schwarzes Gold

Linkes Bild: Steiger, Summer Hans im Förderturm; Rechtes Bild: Neumeier Franz, Penn Xaver, Ratzesberger Alois, Wimmer Anton, Edbauer Georg, Heumader Otto und Mautner Max

Finstere Gänge und enge Kammern hüten das Geheimnis der Schratzelgänge

SchratzelgangGeheimnisumwittert sind bis heute die oftmals verzweigten, aus engen Röhren, Durchlässen und düsteren Kammern bestehenden Stollensysteme, die im Volksmund „Schratzelgänge" genannt werden.
Man bringt diese unterirdischen Gänge mit kleinwüchsigen, hutzeligen Männchen, den Schratzeln, in Verbindung, doch ist dies ins Reich der Sage zu verweisen. Im Bereich der Gemeinde Tiefenbach ist die Existenz dieser Gangsysteme seit dem 19. Jahrhundert (bei Maierhof) in der Literatur belegt. Literarische Hinweise aus der Zeit um die Jahrhundertwende gibt es auch auf einen Gang bei Unterkaining und Augenzeugen wissen vom Vorhandensein eines Ganges in Oberndorf. Ausgegraben und untersucht wurden in den letzten 10 Jahren „Schratzelgänge" nahe Hof, bei Brauchsdorf und in Antesberg. schratzelgaengeAußer einigen Gefäßscherben aus dem (Spät-) Mittelalter in einem der Gänge, konnten die Erforscher nichts finden, was weitere Aufschlüsse zuließ. Somit bleibt das Geheimnis um die Entstehung und die Bedeutung dieser mysteriösen unterirdischen Erdbauwerke ungelüftet. Waren es Fluchtgänge, unterirdische Vorratslager, oder Orte für einen Totenkult? Letzteres ist sehr wahrscheinlich.

Oben:
Schratzelgang von Brauchsdorf,
27.10.1992 entdeckt

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